Lab/or

„WIR GRÜNDEN DIE DRECKIGSTE, MIESESTE UND PROFITGEILSTE FIRMA DER GALAXIE: Evil Corp.“


Public Space Invaders

Unsere Firma soll etwas produzieren und verkaufen, denn damit lässt sich gut Geld umsetzen. Um unsere Gewinne zu maximieren, werden wir für die Produktion unserer Waren auf Kinderarbeit setzen. Unsere Mitarbeiterinnen werden wir zudem menschenunwürdig schlecht bezahlen und sie bis zu 14 Stunden täglich arbeiten lassen. Gesundheits- oder Rentenvorsorge ist natürlich auch nicht drin – wir wollen ja Geld verdienen. Um weitere Kosten gering zu halten, werden unsere Fabriken jegliche Umwelt- oder Sicherheitsstandards ignorieren und bei der Materialwahl werden wir, zwar auf gesundheitsgefährdende, dafür aber günstige Stoffe setzen. Unsere Produkte werden sowieso für eine kurze Lebensdauer konzipiert sein, da wird schon niemand dran sterben. Falls wir mal ein Bio- oder Fair-Trade-Siegel brauchen sollten, werden wir den letzten Arbeitsschritt in unser Heimatland auslagern (oder noch einfacher: Wir basteln uns selbst Eines). Alles andere wird natürlich in Asien produziert und quer über die ganze Welt verschifft. Für die Kosten der von uns verursachten Klimafolgeschäden und des Verpackungs- und Materialmülls werden die Steuerzahlerinnen aufkommen müssen. Auf die so erwirtschafteten Milliarden-Gewinne wollen wir aber keine Steuern zahlen. Daher werden unsere Gewinne in Steueroasen und die Verluste in den vermögenden westlichen Ländern verbucht. Geht unser Plan auf, könnten wir sogar Steuerrückzahlungen geltend machen und staatliche Subventionen erhalten. Alles in allem ein genialer Plan – wirtschaftlich gesehen. Wir sorgen uns allerdings um die Akzeptanz der Konsumentinnen und Verbraucherinnen. Was meinst Du?

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WHAT THE HECK???

Ist nicht längst bekannt unter welchen Bedingungen diese Firmen produzieren und welche Menschenrechtsverletzungen sie begehen? Sind nicht alle Prozesse gegen sie in den Medien veröffentlicht worden? Leisten ihre Produkte tatsächlich einen höheren gesellschaftlichen Beitrag, als ihre nicht gezahlten Steuern? Es ist paradox. Wenn eine Firma Menschen-, Tier- und Naturrechte missachtet, kann sie genug Geld verdienen, um sich mit ihren sozialen Leuchtturmprojekten und Werbefiguren im besten Licht darzustellen und zu glänzen.

Eine Firma die nachhaltig, sinnvoll und fair wirtschaftet, wird dagegen kaum wahrgenommen. Dabei gibt es sie – die Öko-Fair-Trade-Bio-Qualitäts-und-Nachhaltigkeits-Freaks die versuchen mit ihren oft sinnvollen Dienstleistungen, Produkten und Firmen die Welt nicht zu zerstören. Leider erweisen sich ihre selbst gesteckten hohen Standards als Wettbewerbsnachteil.

Was multinationale Konzerne in Sponsoring, Werbestars und Greenwashing investieren, geht bei grünen Labeln für eine faire Bezahlung der Mitarbeiterinnen und der Einhaltung der ethischen und ökologischen Standards drauf. Während andere Firmen alle 6 Monate medienwirksam ihre neu modifizierten Wegwerfprodukte vorstellen, haben es nachhaltige Firmen schwerer. Langlebige Qualitätsprodukte fristen ein mediales Schattendasein.

EIN GOLDFISCH NAMENS KONSUMENTIN

Manchmal treibt uns der Hunger zu McDonalds und lässt uns einen leckeren Hamburger sehen, statt einer trockenen Fett-Ammoniak-Paste. Auf der Suche nach einem neuen Auto wirkt plötzlich das Diesel-Schnäppchen umweltbewusster als… ähm… na ja… sagen wir besser als Plutoniumantrieb. Und die schicken Sneakers hat doch bestimmt kein Kind genäht. So viel Qualitätsbewusstsein können die doch gar nicht haben. Außerdem werben sogar Sportstars für die Marke. So wie George Clooney, der sich sich politisch und sozial engagiert und nebenbei Werbung für Alukapsel-Kaffee macht. Vielleicht verrottet ja Aluminium doch unter 50 Trillionen Jahren.

Bei der täglichen Wahl unserer Produkte verhalten wir uns wie Goldfische, die sich mit ihrem 3-Sekunden-Gedächtnis nach einer Umrundung des Glasinneren an nichts mehr erinnern können. Daher wirkt immer alles neu und aufregend für sie. Was bei Goldfischen angeboren ist (angeblich – es stimmt aber nicht), mussten wir Konsument*innen erst erlernen. Sowohl politisch, als auch gesellschaftlich, haben und wurden wir konditioniert nicht genau hinzusehen und die ethischen, sozialen und ökologischen Kriterien aus dem kapitalistischen Wirtschaftsgefüge auszublenden. Täten wir es nicht, gäbe es für uns kaum etwas zu konsumieren und kaum eine Firma, und schon gar kein global agierendes Unternehmen, könnte weiterhin existieren (ohne sich zu verändern).

Doch uns Konsument*innen wird auch zu viel abverlangt. Die Welt ist so komplex geworden und die Firmengeflechte, Produktionsbedingungen und Inhaltsstoffe so undurchschaubar, dass es schwer fällt sich zurechtzufinden. Wer hat schon alle Nestlé-Skandale beim Einkauf im Kopf? Und wer kennt die Nachhaltigkeitsbilanzen von adidas, Nike und Puma, um sie bei der Wahl der Sneakers gegeneinander abwiegen zu können? Wer hat überhaupt Zeit jede Lebensmittelpackung nach kritischen Inhaltsstoffen zu prüfen? Warum muss alles so verflucht kompliziert sein?

„EIGENTUM VERPFLICHTET – NIEMANDEN MEHR“

Die Europäische Union strebt laut „Lissaboner Vertrag“ eine „wettbewerbsfähige soziale Marktwirtschaft“ an. Eine soziale Marktwirtschaft verbindet das Prinzip des freien wirtschaftlichen Wettbewerbs mit dem des sozialen Ausgleichs und Fortschritts. Unternehmen nutzen nicht-monetäre Leistungen aus der Gesellschaft, wie z.B. Infrastruktur, Sicherheit, Bildungs- und Sozialsysteme. Im Gegenzug wird von ihnen gesellschaftliche Verantwortung als Gegenleistung erwartet.

Die „Sozialpflichtigkeit des Eigentums“ ist sogar ein rechts- und sozialphilosophischer Grundsatz in Deutschland und im Artikel 14 des Grundgesetzes verankert: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“  Soweit die Theorie. Doch wo ist das Soziale an der Marktwirtschaft in der Praxis?

Zeitgleich ziehen sich sowohl die Staaten (Kürzungen sozialer Hilfen, Abbau des Sozialen Wohnungsbaus, Rentenkürzungen, Fehlende Investitionen in Bildung und Infrastruktur, etc.), als auch die Unternehmen (Steuerflucht, Stellenabbau, Standortwechsel ins Ausland, etc.) aus ihrer Verantwortung zurück. Mensch, Tier und Natur bluten an beiden Enden der kapitalistischen Werteskala aus. Es gilt nun: Eigentum verpflichtet niemanden mehr. Erlaubt ist alles, was Wachstum schafft.

„ES IST KEINE KUNST EIN ERFOLGREICHES UNTERNEHMEN ZU FÜHREN, WENN MAN AUF DIE RECHTE VON MENSCH, TIER UND NATUR SCHEISST“

Genauso ist es auch „keine Kunst Geld zu machen, wenn man nichts anderes will, als Geld zu machen.“ (aus dem Film ‚Citizen Kane‘). Daher kann wirtschaftlicher Erfolg nicht das ausschlaggebende Kriterium für das politische und gesellschaftliche Renommee einer Firma sein (oder Stadt, Kommune, Land, Organisation). Wie wäre es, wenn wir uns nicht länger auf den täglich schwankenden Börsenwert konzentrierten, sondern auf die soziale Verantwortung der Unternehmen. Wer gehört zu Evil Corp. und wer ist eine Good Company? Laut ihren CSR-Berichten (Corporate Social Responsibility / Unternehmerische Sozialverantwortung) sind sie alle sozial und verantwortungsbewusst. Wir brauchen also andere Mess- und Vergleichswerkzeuge mit sinnvollen Kriterien und hohen Sozialstandards.

WIR SPIELEN DIESES SPIEL NICHT MIT - WIR ERFINDEN LIEBER EIN EIGENES

Denn die aktuellen Regeln sind abstrus und ihre Folgen zerstörerisch. Unser neues Spiel mit transparenten Regeln heißt CSR-Crowdrating. Die Idee ist nicht neu. Bereits in den 1970er Jahren haben Unternehmen Sozialbilanzen veröffentlicht, die im Gegensatz zu Wirtschaftsbilanzen nicht über die wirtschaftlichen Leistungen eines Unternehmens berichteten, sondern über ihre soziale Leistung und Verantwortung. In den 80ern folgten Öko- und Umweltbilanzen. Und dann folgte mehr oder weniger nichts. Zum einen weil Wirtschaftsbilanzen einen immer höheren Stellenwert bekamen (es geht ja um Wachstum und Gewinne, und die führen zum medialen und öffentlichen Renommee), und zum anderen weil sich sozial-ökologisches Engagement schlecht messen und vergleichen lässt.

Aber seit Verbraucherinnen anfingen die Produktionsbedingungen und die Nachhaltigkeitsaspekte stärker in ihre Kaufentscheidung einzubeziehen, bemühten sich Firmen und Unternehmen seit den späten 90er Jahren wieder in diesem Bereich zu profilieren – mit CSR-Berichten (Corporate Social Responsibility bzw. Unternehmerische Sozialverantwortung). Neuer Name – selbes Problem. Die verdammten Dinger liessen sich immer noch schlecht vergleichen und bewerten. Daher entwickelte die Global Reporting Initiative (GRI), in Partnerschaft mit dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen, weltweit anwendbare, transparente und standardisierte Richtlinien für CSR-Berichte. Tatsächlich sind die GRI-Kriterien heute weltweiter Standard und werden fortlaufend weiter entwickelt. Mit ihnen sollen Firmen, Regierungen, Investor*innen, Arbeitnehmer*innen und eine interessierte Öffentlichkeit vergleichbare Entscheidungs- und Orientierungshilfen erhalten.

Klingt alles super – bis man die CSR-GRI-Berichte liest und versucht sich zu orientieren. Wer gerne wissen möchte, ob beispielsweise VISA ein verantwortungsvolles und nachhaltiges Unternehmen ist, kann sich HIER reinlesen. [ACHTUNG SPOILER:] Auf der ersten Seite steht Responsibility. Auf der Letzten ebenfalls. Den Rest dazwischen (72 Seiten) haben wir nur überflogen. Daher können wir nicht sagen, ob die Firma grün, rot, fair oder einfach nur geldgeil ist. Immerhin müssen wir an Responsibility denken, wenn wir irgendwo VISA lesen. Also wird’s schon stimmen [SPOILER ENDE].

DAS CSR-CROWDRATING

Mit dem CSR-Crowdrating werden wir als Konsumentinnen, Verbraucherinnen und Arbeitnehmerinnen zum ersten Mal die weltweiten Maßstäbe für Klimaschutz, Produktions-, Arbeitsbedingungen, Tierschutz und soziale Verantwortung selbst setzen, statt sie, wie bisher, der Politik, der Wirtschaft und den Lobbyvereinigungen zu überlassen. Für eine gute Bewertung werden Unternehmen „freiwillig“ transparenter, sozialer und nachhaltiger werden (müssen) und die Politik wird in die Plicht genommen, bestehende Gesetze endlich strikter anzuwenden bzw. zu verändern.

Produktionsbedingungen und Nachhaltigkeitsaspekte werden bereits seit einigen Jahren verstärkt in unsere Kaufentscheidungen einbezogen. Leider fehlt es uns an übersichtlichen, einfachen, transparenten und vergleichbaren Orientierungshilfen. Dutzende (teils selbst von der Wirtschaft entwickelte) Gütesiegel führen eher zu Verwirrung, denn zur Aufklärung. Auf einem endlichen Planeten mit begrenzten Rohstoffen nach der Maxime des unendlichen Wirtschaftswachstums zu leben, bedeutet das die Unternehmen immer reicher, und Mensch, Tier und Natur immer ärmer werden.

„Irgendwie erscheint es den Tieren, als sei die Farm viel reicher geworden. Ohne jedoch die Tiere selbst reicher zu machen – ausgenommen Schweine und Hunde.“ (Farm der Tiere, George Orwell)

Für eine lebenswerte, humane und nachhaltige Zukunft, ohne Menschenrechtsverletzungen, ohne sinnlose Tätigkeiten, ohne Dumpinglöhne, ohne Zweit- und Drittjobs, ohne familien- und freizeitfeindliche Arbeitszeiten, ohne Steuerflucht der multinationalen Konzerne, ohne minderwärtige, gesundheitsgefährdende und kurzlebige Produkte, ohne Abbau der staatlichen Sozialleistungen, ohne fehlende Investitionen in Bildung, Gesundheit, Renten und Kultur, ohne Tierleid und ohne Raubbau an der Natur, wollen wir eine sozial-ökologische und verantwortungsvolle Grundlage für wirtschaftliches Handeln finden.

FUNKTIONSWEISE


des SCR-Crowdratings

Die Entwicklung der GRI-Kriterien dauerte drei Jahre. Das wollen wir mit der Schwarmintelligenz der Crowd schneller und besser schaffen! Ab November 2017 suchen wir engagierte Menschen, Organisationen und (grüne) Unternehmen, um gemeinsam eine interaktive Open-Source-Datenbank für CSR-Ratings zu konzipieren (und in der Folge auch zu realisieren). Soziale und ökologische Standards werden transparent und demokratisch von denen gesetzt und bewertet, die sie am meisten betreffen: Von den Verbraucherinnen, Arbeitnehmerinnen, Konsumentinnen und von nachhaltigen Unternehmen (grün & fair zu sein, ist derzeit noch ein Wettbewerbsnachteil).

Es gibt andere Initiativen (GRI, United Nations Global Compact, u.a.) die zusammen mit Politik und Wirtschaft versuchen teils verbindliche, teils freiwillige Verhaltensstandards zu definieren. Das sparen wir uns, denn Grundrechte sind nicht verhandelbar. Kein Unternehmen wird die CSR-Crowdrichtlinien akzeptieren, befolgen oder verbindliche Versprechen abgeben müssen. Das wird von alleine passieren. Die öffentliche Datenbank wird von der Crowd mit den Unternehmensinformationen befüllt, die ihr zur Verfügung stehen. Sind keine oder nur Teilinformationen verfügbar, wird sich das in den (dann geschätzen) Bewertungen der Crowd wiederspiegeln. Je entscheidender und einflussreicher das Rating bei den Nutzerinnen-Entscheidungen pro oder contra eines Produkts, einer Dienstleistung, einer Firma, Stadt, oder Organisation wird, desto wichtiger wird den Unternehmen (u.A.) die eigene Bewertung. Diese werden ihre Wertungen nur selbst beeinflussen können, indem sie entweder mehr Informationen zur Verfügung stellen (falls noch nicht vorhanden, z.B. Zulieferer, CO2-Abdruck, Steuerabgaben, etc. / oder bei Stadtwertungen z.B. Anzahl Spielplätze, Grünflächen, Mietspiegel, etc.), oder durch eine Veränderung ihrer Geschäftspraktiken (z.B. Wechsel zu einem Zulieferer mit guter Bewertung, Senkung der Emissionen, höhere steuerliche Gewinnabgaben, etc.).

Neben den Unternehmen (Städten, Organisationen, etc.) werden Nutzer*innen auch einzelne Produkte, Inhaltsstoffe, Dienstleistungen, Tochterunternehmen, etc. bewerten können, die wechselseitig die jeweilige Wertung beeinflussen werden. Zudem werden Nutzerinnen selbst definieren können, welche Kriterien für sie persönlich ausschlaggebend sind und welche Gewichtung sie haben sollen (unabhängig der gemeinsam festgelegten Bewertungskategorien und Gewichtungen). Somit erhalten sie personalisierte Bewertungen auf der Grundlage ihrer eigenen ethischen und sozialen Prinzipien.

Um eine Übersichtlichkeit und einfache Handhabung des Ratings für die breite Öffentlichkeit zu gewährleisten, soll es max. 10 Kategorien geben (z.B. Produktion, Arbeitsbedingungen, Infrastruktur, Engagement, Umwelt, etc.), bestehend aus max. jeweils 10 Subkriterien (z.B. Langlebigkeit und Qualität und Recyclefähigkeit der Produkte, Gehaltsschere Mann vs. Frau und Chef vs. Arbeitnehmerin, Kinderarbeit, Zulieferer, Förderprojekte, CO2-Abdruck, etc.). Derzeit ist geplant die Gesamtwertung in Prozent anzugeben in Verbindung mit den jeweils 3 stärksten und 3 schwächsten Kategorien/ Kritierien. Nutzerinnen werden selbst bestimmen, wie detailiert sie etwas bewerten wollen. Sowohl einfache Wertungen (nur 1-10 Kategorien), als auch Detailwertungen (1-100 Sub-Kriterien) sollen möglich sein. Jedenfalls sind das die ersten Ideen und Richtungen für das CSR-Crowdrating.

ZIELE

Wann hat jemals irgendjemand mit der Art des eigenen Konsums etwas verändert? Wir haben einen Selbstversuch gemacht und aus Protest seit 1990 kein Mineralwasser von Nestlé gekauft. Und wisst ihr was? Die Scheiße steht immer noch im Supermarktregal. Damit wollen wir genau das sagen, wonach es klingt: Jede Einzelne von uns ist machtlos. Es würde sicherlich etwas bringen, wenn es ständig gezielte und medial begleitete Boykottaufrufe für bestimmte Produkte gäbe. Aber weder ist das der Fall, noch wäre es effizient. Wie bei der Verbrechensbekämpfung auch, geht es nicht darum die kleinen (Produkt-)Gaunerinnen zu erwischen, sondern die (Firmen-)Bosse und Organisationen dahinter.

Die Crowd-Ratings sollen nicht auf einzelne Probleme hinweisen, um kurzfristige Aufmerksamkeit zu erhalten, sondern eine langfristige und breite Veränderung der ethischen, sozialen und ökologischen Standards ermöglichen. Die inhaltliche und mathematische Entwicklung der Kategoerien, Sub-Kriterien und Berechnungsmodelle soll sowohl offen im Netz, als auch analog auf Entwicklungskonferenzen erfolgen.

Als Vorlage dient die Filmdatenbank imdb.com – mit editierbaren Informationen (wie Wikipedia) zu Firmen, Produkten, Städten, Organisationen und den jeweiligen Kategorien und Subkriterien, die alle Nutzerinnen bewerten und vergleichen können. Im Folgenden noch ein paar (nicht-interaktive) Beispiele. Alles kann, darf und soll sich noch erweitern, verändern und verbessern.

DAS ZEITALTER DER VERWIRRUNG


Eine realistische Utopie

Die Zeit des ausgehenden 20. Jahrhunderts und des beginnenden 21. Jahrhunderts gilt historisch gesehen, als „Das Zeitalter der Verwirrung“. Die ehemaligen Vereinigten Staaten von Amerika schieden gerade aus dem Pariser Klimaabkommen aus und in Deutschland (heute Vereinigte Staaten von Europa) regierte die wirtschaftsliberale FDP zum letzten Mal mit.

Die Abgase der Diesel- und Benzinfahrzeuge (wurden noch von Fahrerinnen aktiv gesteuert) töteten jährlich tausende Menschen. Auch einige Tierarten wurden millionenfach geschlachtet, wieder millionenfach gezüchtet, und wieder geschlachtet (scheinbar ein alter steinzeitlicher Ritus). Für andere kleine Tierart-Populationen wurden hingegen Millionen ausgegeben, um sie künstlich am Leben zu erhalten (als Attraktionen in sogenannten Zoos). Die Arbeitsbedingungen hatten sich seit dem 19. Jahrhundert kaum verändert. Die Prognosen von Keynes und Marx erfüllten sich nicht. Die Menschen verrichteten weiterhin mehr als vier Stunden am Tag stumpfsinnige Arbeiten und auch der Kapitalismus implodierte nicht.

Immerhin waren bereits einige Grundrechte gegenüber Mensch, Tier und Umwelt als Ideen formuliert. In der praktischen Umsetzung wurden sie allerdings eher als temporäre Privilegien behandelt. Politik und Wirtschaft glaubten damals noch an ein unendliches Wachstum (obschon sie damals bereits wussten, dass der Planet und seine Ressourcen endlich sind). Das Thema der wirtschaftlichen Nachhaltigkeit und der sozialen Verantwortung steckte noch in den Kinderschuhen. Was nachhaltig und sozial war, bestimmten Wirtschaftsunternehmen und Lobbyistinnen (geheime wirtschaftsliberale und politisch agierende Söldnerbanden). Sie entwickelten eigene hübsch gestaltete Güte- und Qualitätssiegel, um damit ihre Produkte zu verzieren (gerne in Kombination mit dem Wort Bio und einer grünen Färbung). Im Prinzip konnten alle machen, was sie wollten. Die Hauptsache war die Steigerung des Bruttoinlandprodukts (eine fiktive Zahl zur theoretisch-mathematischen Bestimmung des Wohlstands).

Am Beispiel des ersten und einzigen Glücksministeriums der Welt (in Bhutan), welches alle wirtschaftlichen Interessen des Landes dem Umwelt- und Naturschutz und dem „Bruttonationalglück“ seiner Bevölkerung unterordnete, orientierte sich keine andere westliche Regierung zu der Zeit. Orientierungslos waren auch Konsumentinnen bei der Wahl der Produkte und Arbeitnehmerinnen bei der Wahl der Arbeitsstellen. Einzig die Spekulantinnen, die täglich billionen Euro quer über den Globus in Steueroasen transferierten (gäniges und politisch toleriertes Geschäftsmodell zur Vermeidung von Gewinnabgaben für Krankenhäuser, Straßen, Schulen, Umwelt, etc.), konnten sich gut an den Wirtschaftsbilanzen orientieren.

Erst durch die Einführung des CSR-Crowd-Ratings, den eine ominöse Crowd (bestehend aus engagierten Menschen, Soziologinnen, Philosophinnen, Klima- und Tierschützerinnen, Menschenrechts-Aktivistinnen, Künstlerinnen, NGO’s und nachhaltigen Unternehmen) konzipierte, und sich damit zum ersten Mal in der Geschichte von Wirtschaft und Politik emanzipierte, um selbst die Deutungshochheit über globale Klimaschutzziele und soziale Standards zu übernehmen, schaffte die Menschheit endlich den existenzrettenden Übergang vom „Zeitalter der Verwirrung“ in das „Zeitalter der Aufklärung (Vol. 2)“.